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Die zu Unrecht belächelte KNÖDELAKADEMIE

„Wir sehen uns als Aufsteigerschule“, sagt Andrea Tuschl-Reisinger. Sie ist Direktorin des International Business College Hetzendorf (IBC) in Wien Meidling. In der Handelsakademie und Handelsschule gibt es bilingualen Unterricht. Der Großteil der Schüler kommt aus der NMS. Immer wieder werde sie von einer NMS eingeladen, um ihre Schule zu präsentieren. Aus einem Gymnasium habe es noch keine Einladung gegeben.

So kommt es, dass der Anteil der Kinder aus bildungsfernen Schichten groß ist. Die meisten Eltern haben selbst keine Matura. Etwa die Hälfte der Maturanten sind die Ersten in der Familie, die es bis zur Reifeprüfung schaffen. „Das sind die bewegendsten Momente bei einer Maturafeier“, erzählt Tuschl-Reisinger. Diese Momente seien der Beweis, „dass es sich auszahlt“.

Es zahle sich eben aus, so viel Zeit und Energie ins „Ankommen“ zu investieren, statt in der ersten Klasse „auszusieben“, sagt die Direktorin. Für viele NMS-Absolventen bedeute „Ankommen“ zu lernen, dass eine Schule ein „großes zivilisatorisches Ganzes“ ist, sagt die Pädagogin. Seit 20 Jahren werden die Erstklassler von Peer-Mediatoren in den Schulalltag eingewiesen. Ältere Schüler erklären ihnen also, wie man sich zu benehmen hat, was Pünktlichkeit bedeutet, dass man Hausübungen auch wirklich macht, dass man den Unterricht nicht verlässt, wenn es einem gerade einfällt. Alles Dinge also, die eigentlich jedem Kind spätestens in der Volksschule klar sein sollten. „Ende September haben das dann so ziemlich alle begriffen“, sagt Tuschl-Reisinger.

Viele Schüler in der IBC haben Migrationshintergrund, manche Mädchen tragen Kopftuch. „Das ist so“, sagt die Direktorin. „Das sind großartige Mädchen. Wir sehen Vielfalt als Bereicherung.“

Dass wirtschaftliche Bildung in unserer Zeit immer wichtiger wird, sei mittlerweile vielen klar geworden. Die HAK vermittle aber nicht nur Rechnungswesen oder Kostenrechnung. Hier werde soziale und unternehmerische Verantwortung gelehrt. Die Schüler lernen, sich zu präsentieren, haben also „ein Auftreten“, wenn sie hier durch sind. Tuschl-Reisinger erzählt von Absolventen, die heute Ärzte sind und von ihrer Ausbildung in der HAK immens profitieren.

Womöglich hat sich der gesellschaftliche Beitrag der berufsbildenden Schulen doch herumgesprochen. Vergangene Woche wurde das International Business College Hetzendorf von Bildungsminister Heinz Faßmann mit dem Staatspreis für Schule und Unterricht ausgezeichnet.

Auf einen Blick

Etwa 42.000 Schüler machen in Österreich die Matura. Den größten Anteil an Maturanten stellen mittlerweile die berufsbildenden höheren Schulen (BHS). Beim Haupttermin 2018 traten 18.649 BHS-Schüler und 17.058 AHS-Schüler an.

Die Zahl der Maturanten nimmt Jahr für Jahr zu. Laut einer Prognose der Statistik Austria werden im Jahr 2035 etwa 48.000 österreichische Schüler zur Matura antreten. 15 Prozent mehr als heute.